Navigation im Wattenmeer



Wie orientieren sich die Schiffe im ständig sich verändernden Wattenmeer voller Untiefen, Sandbänke und Priele um mit Ihrer kostbaren Fracht nicht zu stranden? Im flachen Küstenbereich ist das Fahrwasser für den Schiffsverkehr mit sogenannten „Pricken“ markiert. Die Pricken sind lange Birkenzweige oder junge Birken, die umgekehrt fest ins Sediment gesteckt sind. Bei Ebbe sind die Pricken voll sichtbar und bei Flut sind nur die obersten Zweige zu sehen, sie erinnern dann leicht an umgedrehte Hexenbesen.
Eine weitere Orientierung sind grüne und rote Metalltonnen aus Stahl oder Aluminium. Diese farbigen, in der Regel ganz unterschiedlich geformten Seezeichen sind mit langen Stahlketten an schweren Betonklötzen verbunden. Diese „Seezeichen“ werden im Fahrwasser an ganz bestimmten Stellen verankert. Jedes Seezeichen ist dabei in der Seekarte des Kapitäns verzeichnet. In regelmäßigen Abständen werden diese Seezeichen eingeholt und im Hafen überholt. Dies bedeutet die Seezeichen werden wieder ausgebeult (Beulen bekommen die Tonnen durch Eisschlag und Kollisionen mit Schiffen) und wieder neu gestrichen. Die Seezeichen gibt es in der Regel in zwei Farben, grünes Seezeichen = Backbordtonnen (linke Seite, von der See kommend) und rotes Seezeichen = Steuerbordtonnen (rechte Seite, von der See kommend). Wie orientiert sich aber ein Kapitän bei Nacht?

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es an der Nordfriesischen Küste Leuchttürme, die Seefahrern bei der Orientierung und dem manövrieren in den Prielen helfen. Mit bloßem Auge kann der Urlauber tagsüber auf jeder Insel Leuchttürme in unterschiedlichen Formen und Farbanstrichen erkenn. Nachts wird ein Inselleuchtturm an den Blinkzeichen und Lichtsignalen erkannt. Für den Fachmann sprechen die Lichtzeichen der Inselleuchttürme eine eigene Sprache. Jeder Leuchtturm hat seine eigene, charakteristische Lichtzeichensprache in Form einer ganz bestimmten zeitlichen Abfolge von langen Lichtzeichen und Lichtblitzen.