Strandgut & Schiffshavarien
In den letzten dreihundert Jahren gehörte die Küstenregion Nordfriesland zu den Regionen, in denen die meisten Schiffsstrandungen stattfanden. Es war für einen Kapitän und sein Schiff äußerst gefährlich bei rauer See und böigen Winden in de dunklen Nacht entlang der zerklüfteten Küste zu navigieren. Die Untiefen der Nordseeküste waren noch nicht von Leuchtfeuern gekennzeichnet. Wir möchten an dieser Stelle nicht übertreiben, doch die Nordfriesischen Inseln waren zu jener Zeit mit Ihrem Gefahrenpotential durchaus vergleichbar mit dem der Karibik. Geriet ein Kapitän mit seinem Schiff auf die großen Aussensände oder in die Brandung der nordfriesischen Inseln, so hatte das Schiff kaum noch ein Chance davon zu kommen. So stellte die Ladungen der gestrandeten Schiffe eine wichtige „Erwerbsquelle“ für die Inselbewohner dar. Die Schiffwracks stellte eine wichtige „Rohstoffquelle“ als Bauholz für die Bewohner der nordfriesischen Inseln dar. Aus dem Schiffholz wurde auf den Nordsee Inseln Straßen und Häuser gebaut und Deiche befestigt. Natürlich führte viele gestrandete Schiffe auch Luxusgüter mit sich und nicht selten auch kostbare Delikatessen.
Nun kam es bei Schiffstrandungen manchmal dazu, das der Strand der benachbarten Insel förmlich überschwemmt werden konnte mit Strandgut. So geschehen 1949 als ein großer Frachter mit Südfrüchten beladen vor den nordfriesischen Inseln strandete und die Strände einige Tage lang mit Apfelsinen übersät waren. Nun war es aber nicht so, das dem Finder des Strandgutes alles für sich in Anspruch nehmen konnte. Die existierenden Strandgesetze der Inseln regeln eine Dreiteilung des geborgenen Strandgutes. Das Strandgut gehörte zu gleichen Teilen dem Finder, dem Landesherren und dem Eigentümer des Schiffes bzw. der Ladung. Damit alles in geordneten Bahnen verlief und den aufkommenden Strandpiraten der Garaus gemacht wurde, richtete der Staat die sogenannten Strandvögte ein. Der Strandvogt handelte im Strandbereich wie ein Souverän und achtete darauf, dass der Staat von den Inselbewohnern nicht um seinen Anteil betrogen wurden. Dies geschah oft genug und bei frischer Tat ertappt landet in früheren Zeiten immer wieder Inselbewohner ins Gefängnis. Dieses kriminelle Verhalten galt unter den Bewohnern aber nicht als ehrenrührig. Das Leben auf den nordfriesischen Inseln war Jahrhunderte lang kein Zuckerschlecken und die Insulaner lebten stets in großer Armut. Aus diesem Grund sahen die Menschen es als ein „Geschenk des Meeres“ an und als Ihr Recht sich das zu nehmen, was das Meer nach starken Stürmen an den Strand warf.
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