Walfang



Heute lebt in Föhr niemand mehr von Walfang. Der Besucher kann höchstens das eine oder andere Souvenir ergattern (Postkarten, kleine Plastikwale usw.). In früheren Zeiten war das aber ganz Anders. Da waren die Männer aus Föhr in der intermationalen Walfangszene bekannt!
Jedes Jahr im Frühling segelten die überwiegende Zahl der Männer auf Föhr mit kleinen Booten (Schaluppen) nach Hamburg oder Amsterdam um auf einem Walfangschiff anzuheuern. Mit dem Walfangschiff ging es dann bis in den Herbst in die küstennahen Gewässer des Eismeeres nach Spitzbergen. Früher hielten die Menschen Spitzbergen für Grönland und so festigte sich die Formulierung „Mein Mann ist Walfänger vor Grönland“. Gefangen wurde hauptsächlich der ca. 18 m lange Grönlandwal und der Nordkapwal. Diese beiden Bartenwalarten waren langsame Schwimmer und für die Männer in Ihren kleinen Walfängerboote eine gute Beute. Der Fang der Bartenwale war stets ein gefährliches Unterfangen. Die Wale wurden mit Ruderbooten verfolgt und mit Handharpunen harpuniert. An der Harpune war eine dickes Seil befestigt. Ein Schlag mit der Schwanzflosse gegen das kleine Ruderboot konnte genügen um das Ruderboot zum kentern zubringen. Es kam vor das ein harpunierter Wal auf der Flucht das Ruderboot und die gesamte Mannschaft unter das Eis zog, wenn die Leine nicht rechtzeitig gekappt wurde.

Ein Grönlandwal besaß ein ca. 25 - 40 cm dicke Speckschicht. Aus dieser Speckschicht wurde das begehrte Tran gewonnen. Das Tran war einbegehrter Naturrohstoff, der für Beleuchtungszwecke eingesetzt wurde. Ein erwachsener Grönlandwal konnte mehrere Tonnen Tran liefern. Der Kapitän eine Walfängers und die höherrangigen Walfänger waren an dem ertrag Ihres Schiffes beteiligt und profitierten direkt davon, so viel Robben und Wale zu fangen wie möglich. Je höher die Anzahl der Fässer und Pakete mit Tran, Walspeck, Robbenfelle, desto größer war der Gewinn am Ende einer Saison im Herbst.
Die intensive Bejagung der Walbestände blieb nicht ohne Folgen. Der intensive und vergleichsweise extrem rücksichtslose Eingriffe in die Ökologie der Wale führte dazu, das die Walbestände in Küstennähe zusammenbrachen. Nun musste der Walfang in die offene See und bis an die Packeisgrenze verlagert werden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde der Walfang zu einem großen Abenteuer für den Menschen und eine Herausforderung für die Technik. Auf der einen Seite bescherte der Walfang den Bewohnern der nordfriesischen Inselwelt ein goldenes Zeitalter. Auf der anderen Seite forderte der Walfang sehr viele Menschenleben und Schiffe, die im Sturm und durch Eis auf der offenen See untergingen. So kam es vor, dass Schiffe vom Packeis eingeschlossen wurden und auf lange Zeit nicht freikamen. So manch eine eingeschlossene Mannschaft wartete vergeblich auf Rettung und die Seeleute starben einen langsamen Hungertod.

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